Was ist Glück? Eine persönliche Spurensuche auf Bali

Kapitel 1: Bali – ein Ort zwischen Glaube, Alltag und Gemeinschaft

Ich bin zurzeit auf Bali. Das Buch „Das Happiness-Prinzip“ von Shawn Achor begleitet mich auf dieser Reise. Es beschäftigt sich mit der Frage, wie Glück unser Leben beeinflusst – nicht als Folge von Erfolg, sondern als Ausgangspunkt für Zufriedenheit, Produktivität und Stabilität.

Bali scheint ein passender Ort für diese Überlegungen. Die Insel ist bekannt für ihre spirituelle Tiefe. Überall im Alltag begegnet man religiösen Handlungen: kleine Opfergaben auf Gehwegen, Räucherstäbchen, Tempelzeremonien, Gebete. Der balinesische Hinduismus ist nicht nur Glaube, sondern Teil der täglichen Routine – eingebettet in Familie, Dorfleben und Festkultur.

Was auffällt: Spiritualität wird hier nicht zur Schau gestellt, sondern still praktiziert. Der Glaube ist kein Event, sondern Teil des Alltags. Gleichzeitig ist Bali ein Ort mit realen Herausforderungen – Verkehr, Tourismus, Arbeitsdruck. Dennoch wirkt das Lebensgefühl insgesamt ausgeglichen. Es geht weniger um Konsum, mehr um Gemeinschaft, Familie und Tradition. Genau diese Elemente tauchen auch in Achors Buch immer wieder auf: soziale Beziehungen, Sinnhaftigkeit, Dankbarkeit.

Kapitel 2: Ketut – ein Gesprächspartner auf vier Rädern

In den ersten Tagen auf Bali haben wir Ketut kennengelernt, unseren Fahrer. Er hat uns mehrere Tage begleitet, Touren geplant, Orte gezeigt, die man allein kaum finden würde. Viel wichtiger war aber das, was dazwischen passiert ist: Gespräche über das Leben, über Familie, über Bali.

Ketut ist kein Touristenguide im klassischen Sinne, sondern jemand, der einfach gerne erzählt. Er hat uns einiges über die Zeremonien erklärt, über das balinesische Kalendersystem, über die Rolle der Familie, über Karma und Rituale. Vieles davon war neu für mich – oder wurde zumindest durch seine Erklärungen greifbarer.

Besonders interessant war seine Sicht auf Familie: In Bali leben häufig drei Generationen unter einem Dach. Das ist nicht immer einfach, aber in Ketuts Worten liegt kein Bedauern. Im Gegenteil – für ihn ist es selbstverständlich, sich zu kümmern, Verantwortung zu übernehmen und von Älteren zu lernen.

Kapitel 3: „Was ist Glück für dich?“ – Eine ehrliche Antwort

An einem Nachmittag habe ich Ketut gefragt, was für ihn persönlich Glück bedeutet.

Er hat kurz überlegt und dann sehr direkt geantwortet:

„Wenn ich gesund bin, wenn meine Familie gesund ist, wenn ich Arbeit habe – dann bin ich zufrieden.“

Für Ketut ist Glück nicht etwas Abstraktes. Es ist kein Ideal, dem man ständig hinterherläuft, sondern etwas, das sich aus konkreten Dingen zusammensetzt: Gesundheit, familiärer Zusammenhalt, Alltag, der funktioniert. Kleine Erfolge – ein gutes Gespräch, eine pünktliche Tour, ein gemeinsames Essen – sind für ihn genauso wichtig wie große Lebensziele.

Auf die Frage, welche Rolle der Glaube spielt, meinte er:

„Er hilft mir, ruhig zu bleiben. Er zeigt mir, was richtig ist. Ich bete, um mich zu orientieren.“

Sein Glaube ist keine Flucht, sondern ein Anker. Er gibt Struktur, gerade in einem Alltag, der von vielen Verpflichtungen geprägt ist. Und auch wenn er kein religiöser Lehrer ist, merkt man, dass sein Weltbild stark vom Glauben geprägt ist – auf eine ruhige, pragmatische Art.

Fazit: Ein anderes Verständnis von Glück

Was ich aus diesen Tagen auf Bali mitnehme, ist kein Patentrezept für Glück. Aber ein klareres Verständnis davon, wie unterschiedlich Menschen Glück definieren – und wie sehr es mit Kontext, Kultur und persönlichen Werten zu tun hat.

Für Ketut ist Glück nicht spektakulär – sondern greifbar. Es hat mit Familie, Glaube, Gesundheit und Alltag zu tun. Diese Perspektive wirkt auf den ersten Blick schlicht, aber sie ist stabil. Und sie passt überraschend gut zu den Thesen in „Das Happiness-Prinzip“: Glück entsteht nicht durch äußeren Überfluss, sondern durch innere Klarheit und funktionierende Beziehungen.

Für mich persönlich war das keine tief emotionale Erleuchtung, sondern eine nüchterne Erinnerung: Glück ist oft näher, als man denkt. Man muss nur den Blick dafür schärfen.

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